Erinnerungen an den Krieg eines Matrosen – Kapitel Erstes

Maschinenobergefreiter Wilhelm Küllertz – Lebensstationen

-oder: Das Schicksal ist nicht planbar –

Erstellt von Willi Küllertz im November 2018

Kapitel Erstes

Wilhelm Küllertz wurde am 06. Juni 1925 als zweites Kind seiner Familie in Katscher im Kreis Leobschütz in der damaligen Reichsprovinz Oberschlesien geboren. Sein Vater war Johann Küllertz, geboren in Dülken / Kreis Viersen am 14.10.1867, verstorben am 26.03.1955. Seine Mutter Bernhardine, gebürtige Nieländer, geb. am 06.07.1882 in Nordrheda-Ems, gestorben am 18.03.1956. Sein Vater war bis zur Pensionierung bei Fa. Davistan Krimmer-, Plüsch- und Teppichfabriken AG in Katscher als Obermeister tätig. Das Unternehmen wurde im Zuge der Arisierung später von Fa. Schaeffler AG (INA-Kugellagerfabriken in Herzogenaurach) übernommen und es wurde dort fortan Bekleidung für die Wehrmacht produziert.

1935 zog Familie Küllertz in das westfälische Wiedenbrück, um das fertig gestellte eigene Haus zu beziehen.

Nach Beendigung der Volksschule machte Wilhelm Küllertz bei Fa. C. Ottens

(Fahrräder und Nähmaschinen) in Wiedenbrück eine Lehre zum Feinmechaniker. Nach Erhalt des Gesellenbriefes meldete er sich zur Kriegsmarine. Sein Ziel war es, als länger dienender Freiwilliger während seiner Dienstzeit über die Laufbahn ein technisches Studium zu absolvieren. Dienstantritt wurde der 10.September 1942.

Wilhelm Küllertz

Der stolze Matrose Wilhelm Küllertz zu Anfang seiner Dienstzeit
(Quelle: Familie Fauré-Roux ).

Bis 11. Dezember 1942 durchlief er die militärische Grundausbildung in Stralsund. Vom 12. Dezember 1942 bis 12. Mai 1943 absolvierte er als technische Fachausbildung den Motorenlehrgang 3 für Gasten bei der 1. Schiffsmachinenausbildungsabteilung. Ab 13.05.1943 wechselte er zur 3. Ausbildungsabteilung für Kriegsschiffneubauten in Elbing (Produktionsstandort der Schichau-Werft, Hersteller von u. a. dem Flottentorpedoboot Typ 39). Wahrscheinlich ging es nach einer Baubelehrung für diesen Schiffstyp direkt an Bord „seines“ Flottentorpedobootes T24, das Oktober 1942 offiziell unter Kapitänleutnant Heinrich Hoffmann in Dienst gestellt wurde. Ohne Unterbrechung leistete er seitdem seinen Dienst auf diesem Kriegsschiff.

Willi T-35

Foto von T35 ähnlich T24

Ich erinnere mich noch an zwei weitere Dinge, die mir mein Vater erzählt hat: Wurde ein Marinesoldat mal gefragt was er bei der Marine macht, waren diejenigen die stolzesten, die auf einem richtigen Schiff zur See fuhren. Die Größe des Schiffes spielte dabei eine große Rolle, Je größer das Schiff war, desto größer war der Stolz. Als ich ihn damals fragte auf welchem Typ Schiff er war, konnte er es mir nicht richtig begreiflich machen bzw. ich war nicht in der Lage seine Antwort zu verstehen. Ich fragte ihn dann ob es ein Minensuchboot war und er antwortete „Nein“. Als ich ihn fragte ob es ein Geleitboot war, welches zum Schutz von Geleitzügen eingesetzt wurde, antwortete er wieder mit „Nein“. Dann fragte ich ihn ob es ein Zerstörer gewesen sei, und bekam die Antwort „Nein, es war kleiner“. Nach Jahren verriet er mir, in der Kriegsmarine nannten sie diesen Schiffstyp inoffiziell den HEIMLICHEN ZERSTÖRER.

Viele Jahre später erfuhr ich dass durch die Bestimmungen des Vertrages von Versailles nach dem ersten Weltkrieg die militärische Aufrüstung genau festgelegt und reglementiert war. So war auch festgelegt, wie viele Schiffe der jeweiligen Schiffsklassen gebaut werden durften. Der Schiffstyp Flottentorpedoboot war also nur offiziell ein Torpedoboot, aber dafür viel größer, eigentlich ein Zerstörer. Nicht so groß wie ein großer Zerstörer, ähnlich der Größe eines leichten Kreuzers, dennoch schon ein Zerstörer. Das war der Unterschied von Theorie und Realität.

In einem anderen Gespräch erklärte er meinem Bruder, sein Schiff habe zwei Schornsteinrohre gehabt. Eins für die Rauchabgase, den anderen für Dampf.- Man sah also schwarze und weiße Abgase. Jahre später sah ich auf einem Foto ein Flottentorpedoboot Typ 39, und erinnerte mich an das Gespräch zwischen meinem Bruder und meinem Vater. Nach Rücksprache mit meinem Bruder konnte er mir bestätigen, dass es genau so erklärt wurde von meinem Vater. Das Flottentorpedoboot 39 wurde durch Dampfturbinen angetrieben. Von da an wusste ich, dass alle meine Vermutungen richtig waren. So wie ich es mir vorgestellt hatte war es wirklich gewesen.

Willi T-35.1

Foto von T35 ähnlich T24

Willi Postcards 1

Ansichtskarten eines stolzen jungen Mannes an seine Familie, jeweils Vorder- und Rückseite, abgestempelt in Berlin und Stralsund (aus Privatbesitz).

Willi Postcards 2

Die letzte Karte aus der Grundausbildung. Die Motivwahl lässt auch hier wieder auf Begeisterung für die Marine schließen (aus Privatbesitz).

Im Sommer 1944 wurde das der 4.Torpedobootsflottille in Brest zugehörende T24 in die 8. Zerstörerflottille nach Bordeaux überstellt. Seit dem Zeitpunkt war das Operationsgebiet die Biskaya . Während dieser Zeit war T24 oft zusammen mit dem Zerstörer Z24, -die nunmehr letzten verbliebenen größeren Einheiten, die die Kriegsmarine überhaupt noch im Westraum aufzubieten hatte. st.